#4 Blog-Serie «Verbandarten» – Der Kompressionsverband

#4 Blog-Serie «Verbandarten» - Der KompressionsverbandDer Kompressionsverband ist ein elastischer Verband, der zur Kompressionstherapie in der Angiologie und Orthopädie zum Einsatz kommt. Mit einem Kompressionsverband wird ein besserer Rücktransport des venösen Bluts zum Herzen erreicht. Meist wird der Kompressionsverband am Unterschenkel angelegt, es gibt aber auch Fälle, wo eine Kompression bis zum Oberschenkel notwendig sein kann. Der Kompressionsverband hat einen hohen Baumwollanteil (bis 100%), kann aber auch mit Elasthan, Polyamid oder anderen Stoffen gemischt sein. Da Kompressionsverbände über lange Zeit getragen werden müssen, sollten sie möglichst hautfreundlich und waschbar sein.

Die Indikationen für den Kompressionsverband

Der Kompressionsverband kommt bei verschiedenen angiologischen Erkrankungen zur Anwendung. Meist wird er zur Kompressionstherapie bei Venenleiden, wie z.B. Varizen, chronisch-venöser Insuffizienz oder Lymphödemen eingesetzt. Auch zur Prophylaxe von Thrombosen und Ödemen kann der Kompressionsverband eingesetzt werden. Meist wird er nach Operationen oder bei langen Immobilitäten angewendet. Auch bei der Behandlung des ulcus cruris venosum kann der Kompressionsverband gute Dienste leisten.

Die Wirkung des Kompressionsverbandes

Der Kompressionsverband ist ein wirkstofffreier Verband, der über die Ausübung eines Drucks auf die oberflächlichen, erweiterten Venen wirkt. Die Anlage eines Kompressionsverbands führt zu einer Verbesserung des venösen Rückflusses und der Venenklappenfunktion und zu einer Normalisierung der Kapillarwandfunktion. Dadurch werden Ödeme reduziert, die Heilung von Ulzera günstig beeinflusst (nur bei ulcus cruris venosum), das Risiko von Thrombosen und Embolien gesenkt und die Stoffwechselvorgänge im Bein günstig beeinflusst. Die volle Wirkung entfaltet der Kompressionsverband nur dann, wenn der Patient sich aktiv bewegt.

Die Anlage des Kompressionsverbandes

KompressionsverbandDer Kompressionsverband kann auf verschiedene Arten angelegt werden. Dies ist nicht nur von Praxis zu Praxis, sondern zum Teil sogar von Mitarbeiter zu Mitarbeiter verschieden. Wichtig ist es, empfindliche Stellen ausreichend zu polstern und Wunden, wie z.B. Ulzera, fachgerecht zu versorgen und abzudecken, bevor der Kompressionsverband angelegt wird. Um ein Verrutschen oder Lockern des Kompressionsverbands zu vermeiden, ist es wichtig, dass Fuß und Ferse in den Kompressionsverband integriert werden. Der Unterschenkel-Kompressionsverband reicht bis zum Fibulaköpfchen, der Oberschenkel-Kompressionsverband wird bis zum proximalen Oberschenkel gewickelt. Die einzelnen Lagen des Kompressionsverbands müssen sich überlappen und das Sprunggelenk sollte im 90° Winkel umwickelt werden. Der Druck sollte beim Kompressionsverband von distal nach proximal langsam abnehmen. Es ist besonders darauf zu achten, dass der Kompressionsverband nicht zu fest sitzt, keine Einschnürungen oder Druckstellen und vor allem keine Schmerzen verursacht.

Bei der Wahl der richtigen Kompressionsbinde ist die Indikation von entscheidender Bedeutung. Dafür muss man zunächst eine Unterscheidung zwischen Ruhedruck und Arbeitsdruck machen. Der Ruhedruck bezeichnet den Druck, der bei ruhiger Lage auf dem Bein lastet, der Arbeitsdruck gibt den Druck an, der besteht, wenn der Patient das Bein bewegt, also z.B. spazierengeht.

Die Kurzzugbinde hat einen niedrigen Ruhe- und einen hohen Arbeitsdruck und wird immer dann angelegt, wenn die Kompression auch tiefer gelegene Venen erreichen soll. Der Kompressionsverband mit Kurzzugbinden kann problemlos den ganzen Tag getragen werden, auch wenn der Patient längere Ruhephasen einlegt.

Die Langzugbinde hat einen hohen Ruhe- und einen geringen Arbeitsdruck. Bei immobilen Patienten kann ein Kompressionsverband mit Langzugbinden zu Einschnürungen führen, weswegen diese Bindenart nur bei mobilen Patienten zur Anwendung kommen sollte. Langzugbinden werden nur selten eingesetzt.

Allgemeines zum Kompressionsverband

Der Kompressionsverband wird nicht nur in der Angiologie, sondern auch in der Orthopädie häufig eingesetzt und bietet die Möglichkeit, Venenleiden nicht-invasiv zu behandeln und Thrombosen vorzubeugen. Meist werden für den Kompressionsverband Kurzzugbinden verwendet. Da der Kompressionsverband häufig über eine längere Zeit angelegt werden muss, wird er – nach entsprechender Anleitung – auch oft vom Patienten selbst angelegt. Die meisten Kompressionsverbände können gewaschen und sterilisiert werden. Dadurch ist eine Mehrfachnutzung der Binden problemlos möglich und es können effektiv Kosten gespart werden. Besonders beim Kompressionsverband mit Kurzzugbinden spielt die Mobilität des Patienten eine große Rolle. Eine regelmäßige und ausdauernde Bewegung des Patienten führt zu einer Verbesserung des Therapieerfolgs.

Die Produkte

KompressionsverbandFür die Anlage des Kompressionsverbands stehen unterschiedliche Produkte zur Verfügung. Meist werden Kurzzugbinden verwendet, es können aber auch Langzugbinden oder Idealbinden genutzt werden. Von Firmen wie Hartmann, BSN oder Maimed stehen Kompressionsverbände in unterschiedlichen Ausführungen zur Verfügung.

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