#5 Blog-Serie «Verbandarten» – Die feuchte Wundversorgung

Feuchte WundversorgungAls feuchte Wundversorgung wird die Versorgung der Wunde mit Verbänden bezeichnet, die eine Aufrechterhaltung des feuchten Wundmilieus ermöglichen. Für die feuchte Wundversorgung stehen viele verschiedene Verbandarten zur Verfügung, die sich nicht nur in der Art der Applikation, sondern auch in ihrem Absorptionsvermögen und den Inhaltsstoffen unterscheiden. Die feuchte Wundversorgung ist zum Teil umstritten, weil die Verbandstoffe deutlich teurer sind als die, die man für eine trockene Wundversorgung benötigt. Allerdings werden andererseits durch die kürzeren Behandlungszeiten und die seltener notwendigen Verbandwechsel widerum Kosten gespart.

Die Indikationen für die feuchte Wundversorgung

Die feuchte Wundversorgung kommt vor allem bei chronischen Wunden und Verbrennungen zum Einsatz. Ein gutes Beispiel für die Anwendung der feuchten Wundversorgung ist das Ulcus Cruris. Dieses meist nässende Geschwür ist oft nur schwer zur Heilung zu bringen. Neben den allgemeinen Maßnahmen, wie z.B. Senkung der Risikofaktoren, wie Blutzucker oder Bluthochdruck, ist eine Auswahl der richtigen Verbandmittel entscheidend um einen Therapieerfolg zu gewährleisten. Auch der Dekubitus wird häufig mit einem feuchten Wundverband versorgt.

Die Wirkung der feuchten Wundversorgung

Die feuchte Wundversorgung hat vor allem die Aufgabe, ein perfektes Wundmilieu zu schaffen und dadurch die Wunde zu einer schnelleren Heilung zu bringen. Dies wird durch mehrere Faktoren erreicht. Zum einen werden der Wunde zwischen den Verbandswechseln lange Ruhephasen gegönnt, weil der Verbandwechsel bei der feuchten Wundversorgung meist nur alle paar Tage (3-5) erfolgen muss, im Gegensatz zur trockenen Wundversorgung, wo bei starker Sekretion ein Verbandswechsel sogar mehrmals täglich indiziert sein kann. Zum anderen ist der feuchte Wundverband (Calcium-Alginat, Hydro-Kolloid oder Schaumstoff) in der Lage, das überschüssige Wundsekret aufzunehmen und die Wunde trotzdem feucht zu halten. Unter einer feuchten Wundversorgung wird nicht nur die Re-Epithelisierung beschleunigt, sondern auch die autolytische Nekrolyse verstärkt. Außerdem sorgt die feuchte Wundversorgung für eine konstante Wundtemperatur, die sich ebenfalls äußerst positiv auf den Heilungsverlauf auswirkt. Durch die seltenen Verbandswechsel und die Abdeckung der Wundfläche werden Wundinfektionen effektiv vermieden. Die feuchte Wundversorgung ist häufig antimikrobiell, gepolstert und wasserabweisend und schützt die Wunde somit vor Infektionen, Druck und Schmutz. Dadurch wird der Heilungsverlauf beschleunigt und die Narbenbildung wird reduziert.

Die Anlage des feuchten Wundverbandes

Bei der Anlage des feuchten Wundverbandes hängt die Verfahrensweise vom verwendeten Produkt ab. Selbstklebende Wundverbände benötigen in der Regel keine Abdeckung. Bei Wundauflagen, die nicht mit einem Haftrand versehen sind, muss eine Fixierung erfolgen. Hier kann auch eine Polsterung, z.B. mit Mull- oder Saugkompressen sinnvoll sein. Das hängt von der Sekretion der Wunde, von der Lokalisation des Verbandes und von den persönlichen Vorlieben des behandelnden Arztes ab. Die feuchte Wundversorgung kann auch mit speziellen Gelen, die auf die Wunde gegeben werden, erfolgen. Meist wird ein solches Wundgel mit anderen Wundauflagen, wie z.B. dem Schaumverband, kombiniert.

Eine weitere Besonderheit der feuchten Wundversorgung liegt darin, dass der Verbandswechsel für den Patienten wesentlich angenehmer ist als beim trockenen Wundverband. Da der feuchte Wundverband nicht an der Wunde haftet, wird einerseits kein neu gebildetes Gewebe durch Verklebung mit der Wundauflage zerstört, andererseits hat der Patient dadurch auch weniger bis gar keine Schmerzen beim Verbandswechsel. Besonders bei Verbrennungsopfern spielt diese Tatsache eine große Rolle.

Allgemeines zur feuchten Wundversorgung

Die feuchte Wundversorgung kommt leider noch viel zu selten zum Einsatz. Noch immer werden viele Wunden, die mit einer feuchten Wundversorgung gut zur Heilung gebracht werden könnten, mit einem trockenen Wundverband versorgt. Zwar sind die Verbandmittel, die zur feuchten Wundversorgung benötigt werden, teuerer, als solche Verbandmittel, die zur trockenen Wundversorgung verwendet werden, aber die Tatsache, dass ein feuchter Wundverband nur alle paar Tage gewechselt werden muss und meist zu viel schnelleren Heilungserfolgen führt, macht den höheren Preis der feuchten Verbandmittel meist wieder wett.

Der feuchte Wundverband bietet eine hervorragende Möglichkeit chronische Wunden zu behandeln und dem Patienten eine moderne und individuelle Behandlung zukommen zu lassen.

Produkte

Bei der feuchten Wundversorgung werden verschiedene Produkt-Kategorien unterschieden:

  • Calcium-Alginate
  • Hydrokolloide
  • Schaumstoff-Verbände
  • Hydrogele
  • Folien

Für Wunden mit starker Sekretion werden in der Regel Calcium-Alginat und Hydrokolloid-Verbände verwendet. Bei mittlerer Sekretion kommen Schaumverbände zum Einsatz und bei geringer Sekretion werden Gele und Folien verwendet. Manche Wundverbände enthalten auch Zusätze, wie z.B. Silberionen, um Wundinfektionen zu verhindern, oder die Keimbesiedlung bereits infizierter Wunden zu verringern. Zu den Calcium-Alginaten zählt z.B. Suprasorb® A oder Algisite M, bekannte Hydrokolloid-Verbände sind Suprasorb® H oder Hydrocoll®. Ein beliebter Schaumverband ist der Allevyn von Smith & Nephew.

Bei der Wahl des passenden Verbandmittels zur feuchten Wundversorgung sollte nicht nur die Art und die Lokalisation der Wunde, sondern auch die Exsudat-Menge und die Lebensumstände des Patienten in die Entscheidung mit einbezogen werden.

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