#3 Blog-Serie «Verbandarten» – Der Gipsverband

Verbandmittel Der Gipsverband gehört zu den Steifverbänden und wird zur Immobilisation von Extremitäten verwendet. Sonderformen des Gipsverbandes können z.B. auch zur Ruhigstellung der Wirbelsäule oder zur konservativen Skoliosebehandlung verwendet werden. Im Gegensatz zum Castverband besteht der Gipsverband aus einem natürlichem Material – dem Gips. Ebenso wie der Castverband kommt der Gipsverband meist in der Orthopädie zur Anwendung. Durch seine geringen Anschaffungskosten wird der Gipsverband auch heute noch gerne zur Frakturbehandlung eingesetzt. Gipsverbände kann man grundsätzlich als zirkuläre Verbände oder in Form von Longuetten anbringen. Es ist auch eine Kombination der beiden Techniken möglich.

Die Indikation für einen Gipsverband

Der Gipsverband wird überall dort eingesetzt, wo eine partielle oder komplette Immobilisation notwendig ist. Da der Gipsverband besonders kostengünstig ist, wird er auch heute noch häufig verwendet. In Fällen, in denen es auf ein möglichst geringes Gewicht ankommt, wie z.B. bei älteren Patienten oder Kindern, ist allerdings der synthetische Castverband eine gute Alternative. Der Gipsverband in Form von Longuetten kommt auch bei der Herstellung von Korsetts oder Liegeschalen zur Anwendung. Auch das Abdruck-Nehmen für Orthesen kann mit einer Gipslonguette erfolgen.

Die Wirkung des Gipsverbandes

Der Gipsverband ist ein wirkstofffreier Verband, der lediglich der Immobilisation dient. Es gibt auch spezielle Gipsanwendungen wie das Gips-Korsett, das zur Ruhigstellung der Wirbelsäule bei Wirbelsäulenverletzungen und zur konservativen Skoliosebehandlung verwendet wird.

Die Anlage des Gipsverbandes

Bevor der Gipsverband angelegt wird, muss das zu fixierende Gelenk in Funktionsstellung gebracht werden. Der Gipsverband wird zum Schutz der Haut immer nur mit einem speziellen Unterzug-Verband angelegt. Dieser Verband besteht aus 3 Schichten: einem Unterzug, einer Polsterung und einer Fixierung. Für den Unterzug werden meist hautfreundliche Schlauchverbände verwendet. Die Polsterung erfolgt in der Regel mit Hilfe von Wattebinden. Zusätzlich können allerdings auch selbstklebende Polster angebracht werden. Um ein Verrutschen dieser beiden Schichten zu verhindern, wird eine abschließende Fixierung mit Krepppapier- oder Schaumstoffbinden vorgenommen.

Um den Gipsverband zu aktivieren, wird er nun in ein Tauchbad getunkt. Dabei ist unbedingt auf die richtige Tauchzeit, die korrekte Wassertemperatur und die richtige Tauchtechnik zu achten. Das Anlegen eines Gipsverbandes erfordert Übung und sollte nur von entsprechend geschultem Fachpersonal durchgeführt werden. Die Temperatur des Tauchwassers spielt eine besonders wichtige Rolle, weil es beim Abbindevorgang zu einer hohen Wärmeentwicklung kommt. Zu hohe Tauchwassertemperaturen führen zu höheren Temperaturspitzen, was zu einer thermischen Hautschädigung beim Patienten führen kann.

Es sollte beim Tauchen des Gipsverbandes strikt nach den Herstellerangaben vorgegangen werden. Die Tauchzeit beträgt meist nur etwa 2-4 Sekunden. Danach wird der Gipsverband ohne Zug abgerollt – die einzelnen Touren sollten die jeweils vorhergehende ca. zur Hälfte überlappen. Das Anmodellieren des Verbandes erfolgt immer mit der flachen Hand und ohne Druck, damit es nicht zu Ausbuchtungen und dadurch zu gefährlichen Druckstellen kommt. Mit den letzten Bindetouren werden die Ränder des Unterzugverbandes, der über den Gipsverband umgeschlagen wird, fixiert und glattgestrichen.

Wenn der Gipsverband eine besondere Stabilität aufweisen soll, ist es auch möglich, Longuetten in den Gipsverband zu integrieren. Diese werden dafür im Vorfeld passend zugeschnitten, im Tauchbad aktiviert und in den Gipsverband eingearbeitet. Beim Gips wird zwischen Anfangsfestigkeit und Endfestigkeit unterschieden. Die Anfangsfestigkeit reicht zwar zum Transport des Gipses aus, der Gipsverband ist allerdings noch nicht voll belastbar. Eine volle Belastbarkeit, die als Endfestigkeit bezeichnet wird, wird zum Teil erst nach 48 Stunden erreicht.

Allgemeines zum Gipsverband

GipsverbandDer Gipsverband ist ein bewährtes Verfahren zur konservativen Frakturbehandlung und wird schon seit über 160 Jahren angewendet. Der Gipsverband kann als geschlossener Gips angewendet werden, in diesem Fall kann er nur vom Arzt durch spezielle Geräte, wie z.B. die Gipssäge, abgenommen werden. Es kann aber auch ein Schalengips angelegt werden. Das bedeutet, dass der Gipsverband nach dem Aushärten aufgeschnitten und mit Bandagen wieder zusammengebunden wird. So kann der Patient den Gipsverband zu Hause z.B. zum Duschen abnehmen. Je nach Indikation kann die Tragedauer eines Gipsverbandes sehr unterschiedlich sein. Häufig muss der Gipsverband allerdings mehrere Wochen getragen werden. Bei der Anlage eines Gipsverbandes ist immer die Gefahr einer Thrombose oder einer Gelenkversteifung durch die lange andauernde Ruhigstellung zu beachten.

Die Produkte

Gipsverbände gibt es in vielen verschiedenen Ausführungen. Es kann allgemein zwischen Gipsbinden und Gipslonguetten unterschieden werden. Hartmann bietet mit seiner Plastrona-Reihe ein umfassendes Produkt-Sortiment für Gipsverbände aller Art.

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