#6 Blog-Serie «Verbandarten» – Der allgemeine Wundverband

Bagatellverletzungen, wie Schnittwunden oder Schürfungen, kommen in der Allgemeinarztpraxis beinahe täglich vor. Das Vorgehen in diesen Fällen ist eigentlich immer gleich – der Impfstatus des Patienten wird überprüft und die Wunde wird versorgt. Zunächst ist es wichtig, die Wunde zu reinigen, da sich häufig Schmutz in der Wunde befindet, welcher Wundinfektionen auslösen kann. Die Spülung mit einer Wundspüllösung, wie z.B. Octenisept, ist hier angeraten. Der Vorteil von Octenisept liegt darin, dass die Spüllösung nicht nur den Schmutz aus der Wunde spült, sondern gleichzeitig antimikrobiell wirkt. Nach der Spülung wird entschieden, ob ein chirurgischer Wundverschluss vorgenommen werden muss. Dies ist z.B. bei klaffenden Wunden der Fall. Die Wundränder werden durch das Nähen mit chirurgischem Nahtmaterial aneinander gelegt, um die Wundheilung zu unterstützen. Nach der Versorgung der Wunde wird in der Regel der Wundverband angelegt.

Indikationen für den Wundverband

Die Anlage eines Wundverbands ist immer dann indiziert, wenn die Wunde vor dem Eindringen von Schmutz und Keimen geschützt werden soll. Ob ein steriler Wundverband notwendig ist, oder die Verwendung unsteriler Verbandstoffe ausreicht, hängt vor allem von der Art der Wunde ab. Bei Bagtellverletzungen, wie z.B. oberflächliche Schürfwunden, wird eher auf unsteriles Verbandmaterial zurückgegriffen. Handelt es sich allerdings um Wundverbände nach stattgehabter OP, werden sterile Verbandmittel für den Wundverband verwendet. Grundsätzlich gilt: der Wundverband schützt die Wunde vor äußeren Einflüssen und ist immer dann indiziert, wenn es sich um eine große Wundfläche, eine infektionsgefährdete Wunde oder eine Wunde an prominenter Stelle, wie z.B. an der Hand, handelt. Der Wundverband kann auch zum Schutz der Wunde bei kleineren Verletzungen angewendet werden, wenn z.B. die Kleidung an der Wunde scheuern und so den Heilungsverlauf hinauszögern würde.

Die Wirkung des Wundverbands

Die Wirkung des Wundverbandes hängt von den verwendeten Verbandstoffen ab. Als Wundauflage können verschiedene Materialien verwendet werden. Man unterscheidet grundsätzlich die feuchte von der trockenen Wundversorgung.

Bei Bagatellverletzungen wird in der Regel auf trockene Wundverbände zurückgegriffen, nur bei besonders tiefen Schürfwunden oder bei Brandwunden ist die feuchte Wundversorgung indiziert.

Der trockene Wundverband ist in der Regel wirkstofffrei. Der Wundverband hat in erster Linie die Aufgabe, die Wunde vor Infektionen zu schützen und ihr die Möglichkeit zu geben, in Ruhe zu verheilen. Auch Salbenkompressen oder Fettgaze-Gitter beinhalten normalerweise keine Wirkstoffe. Während das Fettgaze-Gitter nur das Verkleben der Wunde mit der Kompresse verhindert, soll die Salbenkompresse zusätzlich die Wundränder pflegen und die Wunde vor dem Austrocknen bewahren.

WundverbandDie Anlage des Wundverbands

Nach dem gründlichen Säubern der Wunde wird das Risiko des Verklebens mit der Wundauflage abgewogen. Bei großflächigen Wunden ist das Risiko höher als bei sehr kleinen Verletzungen. Zum Schutz vor Verklebungen können unterschiedliche Wundauflagen verwendet werden. Zum einen ist es möglich, zwischen Kompresse und Wunde eine Fettgaze zu legen, zum anderen können auch Salbenkompressen verwendet werden. Der Vorteil von Salbenkompressen liegt darin, dass sie die Wundränder pflegen und die Wunde leicht feucht halten. Dadurch wird ein leicht feuchtes Wundmilieu erreicht, das den Heilungsverlauf beschleunigt und sich positiv auf die Narbenbildung auswirkt. Über die Salbenkompresse oder Fettgaze wird nun eine sterile oder unsterile Kompresse gelegt. Ist ein Verkleben der Wunde nicht zu erwarten, wird die Kompresse direkt auf die Wunde aufgelegt. Die Wundauflage kann nun wahlweise mit einer Mullbinde oder mit einem speziellen Pflaster fixiert werden. Bei Wundverbänden an den Armen oder Beinen, wo das umwickeln leicht möglich ist, empfiehlt sich die Verwendung einer Mullbinde. Bei Verletzungen am Rücken oder an am Bauch wird man eher auf ein Pflaster zurückgreifen.

Bei kleineren Operations- oder Bagatellwunden kann der Wundverband auch mit einem sterilen oder unsterilen Wundpflaster erfolgen. Wundpflaster, auch Wundschnellverbände genannt, bestehen aus einer Wundauflage in Verbindung mit einem Heftpflaster und sind entweder als Rollenmaterial oder in vorgeschnittener Form erhältlich.

Allgemeines zum Wundverband

Der Wundverband sollte regelmäßig gewechselt werden, nicht nur um die Wunde kontrollieren zu können, sondern vor allem auch, wenn der Verband durch Wundsekret durchnässt ist. Durchnässte Wundverbände bieten nämlich einen guten Nährboden für Keime und begünstigen eine Wundinfektion. Welcher Wundverband genau angelegt wird und welche Materialien dafür verwendet werden, entscheidet der Arzt nach der Lokalisation, dem Aussehen und der Wahrscheinlichkeit einer Wundinfektion.

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MullbindenDa für den Wundverband verschiedene Verbandarten benötigt werden, muss man nach Wundauflage und Fixiermaterial unterscheiden. Häufig verwendete Salbenkompressen sind z.B. Atrauman und Grassolind. Sowohl von Hartmann, als auch von BSN und Maimed stehen eine Reihe steriler und unsteriler Mull-, Vlies- und Saugkompressen in unterschiedlichen Größen zur Verfügung. Diese Firmen bieten auch Mullbinden in verschiedenen Stärken und Breiten zur Verbandfixierung an. Zur Verbandfixierung in Pflasterform wird häufig Omniplast elastic oder Maimed strech verwendet.

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