Chirurgisches Nahtmaterial

OPIn der Medizin versteht man unter dem Begriff „Nähen“ die Vereinigung von Gewebe mit Hilfe von chirurgischem Nahtmaterial. Für die verschiedenen Wundarten steht eine große Auswahl an chirurgischem Nahtmaterial zur Verfügung, das sich in Material, Stärke, Resorbierbarkeit und Aufbau unterscheidet.

Das Material

Während früher fast ausschließlich natürliche Stoffe, wie z.B. Därme oder Seide verwendet wurden, besteht das chirurgische Nahtmaterial heutzutage meist aus modernen Kunststoffen, wie z.B. Polyglykolsäure, Polyamid oder Polyester.

Die Resorbierbarkeit

Man unterscheidet beim chirurgischen Nahtmaterial resorbierbare von nicht resorbierbaren Fäden. Das resorbierbare Nahtmaterial kommt vor allem bei Nähten zum Einsatz, die ohne weiteres nicht mehr erreicht werden können, wie z.B. Nähte an inneren Organen oder im Unterhautgewebe. Nach einer bestimmten Zeit löst sich das resorbierbare Nahtmaterial selbstständig durch Hydrolyse auf. Nicht resorbierbares Nahtmaterial hingegen muss entfernt werden. Diesen Vorgang bezeichnet man als „Fäden ziehen“. Dabei wird der Knoten vorsichtig mit einer Pinzette angehoben und das chirurgische Nahtmaterial mit einem Skalpell, einem Fadenziehmesser oder einer Schere durchtrennt. Das Entfernen des chirurgischen Nahtmaterials erfolgt meist nach 10-14 Tagen. Der Zeitpunkt der Fadenentfernung hängt von der Art, Größe und Lokalisation der Wunde, sowie von der individuellen Geschwindigkeit der Wundheilung ab.

Die Fadenstärke

Es gilt allgemein: je dicker das chirurgische Nahtmaterial, desto größer die Reißfestigkeit. Deswegen wird die Fadenstärke nach der Zugspannung ausgesucht, die auf dem Nahtmaterial lastet. Allerdings hinterlässt dickes Nahtmaterial auch größere Stichkanäle. Deswegen sollten vor allem im Bereich von Händen, Gesicht und anderen gut sichtbaren Stellen, dünne Fäden gewählt werden.

Monofiles und polyfiles Nahtmaterial

Monofiles Nahtmaterial besteht lediglich aus einem einzigen Faden. Dadurch ist das Nahtmaterial wenig anschmiegsam und die Knoten halten nicht sehr gut. Allerdings gleitet monofiles Nahtmaterial gut durch das Gewebe, wodurch ein Säge-Effekt verhindert wird. Polyfiles Nahtmaterial hingegen besteht aus mehrern Fäden, die ineinander verflochten sind. Der Vorteil bei polyfilem Nahtmaterial liegt in den guten Knoteigenschaften. Der Nachteil besteht in der Sägewirkung und der Dochtwirkung. Durch die Verflechtung der Fäden wirkt das polyfile Nahtmaterial beim Gewebedurchzug wie eine Säge, die das Gewebe anrauht. Die geflochtenen Fäden begünstigen darüber hinaus ein Eindringen von Krankheitserregern. Mittlerweile sind auch pseudomonofile Fäden erhältlich, die zwar geflochten sind, aber eine Ummantelung besitzen, wodurch sie die Vorteile beider Fadenarten bieten, ohne jedoch deren Nachteile aufzuweisen.

 

Durch das Schließen der Wunde mit chirurgischem Nahtmaterial werden die Wundränder spannungsfrei zusammengebracht, so dass die Wunde schnell und komplikationslos verheilen kann. Das Nahtmaterial wird in der Regel entfernt, wenn eine belastbare Narbe entstanden ist.

Chirurgisches Nahtmaterial Chirurgisches Nahtmaterial für die Humanmedizin ist meist als Nadel-Faden-Kombination erhältlich. Dabei ist die Nadel fest mit dem Faden verbunden und die Nadel-Faden-Kombination einzeln steril verpackt. Diese Sets sind mit unterschiedlichen Nadeln und Fäden in diversen Ausführungen erhältlich. Die Vorhaltung von gemischten Nahtsets bietet sich vor allem für Praxen an, die nur wenig Bedarf haben und bei denen sich die Vorhaltung von großen Mengen Nahtmaterial nicht rentieren würde.

Chirurgisches Nahtmaterial ist von verschiedenen Anbietern erhältlich. In Deutschland werden häufig Nahtmaterialien von B.Braun oder Ethicon verwendet.

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